Theaterpolitik
Drei Mal Jugend Drucken E-Mail
Das Theater für junges Publikum
Geschrieben von: Christian Rakow   

Manchmal spricht auch ein Mangel für Gewinn. Ein wenig verwundert reibt man sich ja schon die Augen, dass beim neu ins Leben gerufenen Jugendstückewettbewerb des Heidelberger Stückemarkts keines der großen Kinder- und Jugendtheater Deutschlands dabei ist: kein Grips Theater, kein Theater an der Parkaue Berlin, kein Theater Junge Generation Dresden, kein Theater der Jungen Welt Leipzig.

Tatsächlich aber spricht diese Abwesenheit der Spezialisten bei gleichzeitiger Einladung von Staatstheatern aus Dresden, Wiesbaden und Hannover für eine wachsende Präsenz des Jugendtheaters. Die Zeiten, in denen die großen städtischen Bühnen am jungen Publikum vorbei inszenierten, sind passé. Ein starkes Jugendangebot gehört heute ebenso wie eine rührige Theaterpädagogik zur Grundausstattung der Häuser. Manch eine Bühne vermag mit jungen Arbeiten geradezu ein Profil zu schärfen. So war es beim Neustart der Oldenburger Intendanz von Markus Müller 2006, als mit "Crash" von Sera Moore Williams in einer Inszenierung der damals noch weitgehend unbekannten Anna Bergmann ein verheißungsvolles Signal für die ästhetisch dann tatsächlich sehr mutige Theaterarbeit im äußersten Nordwesten gesetzt wurde.

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„Wir springen auf keinen Migrationshype auf“ / Türkisch-Deutsches Theater lebt gesellschaftliches Zusammenleben Drucken E-Mail
Das freie Theater - Die Alternative
Geschrieben von: Insa Lange   

Für das Türkisch-Deutsche Theater in Hildesheim ist kulturelle Vielfalt normal. Seit über 20 Jahren spielt Neclâ Eberle-Erdógan im Türkisch-Deutschen Theater mit – neben ihrer Arbeit im Mehrgenerationenhaus Hildesheim. „In erster Linie ist Theater eine Möglichkeit für mich meine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Hier kann ich über meine Ansichten und Einstellungen in Bezug auf das Zusammenleben in der Gesellschaft nachdenken und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedensten Menschen finden", sagt die türkischstämmige Deutsche.

Das Türkisch-Deutsche Theater wird seit 1990 von Studierenden der Universität Hildesheim und Bürgern aus der Region Hildesheim geleitet. „Wir springen auf keinen Migrationshype auf", erklärt Isabel Schwenk, die mit Markus Wenzel seit 2011 das Theater leitet. Beide studieren an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis sowie Szenische Künste.

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Provinz - Publikum - Persönlichkeiten Drucken E-Mail
Das Stadttheater - Reif für Reformen
Geschrieben von: Annika Winkler   

In der Grenzstadt Konstanz ist das älteste Stadttheater Deutschlands immer schon Verhandlungsort gesellschaftlicher und politischer Strukturen. Der Sammelband zum 400jährigen Bestehen des Theaters Konstanz ist keine einheitliche Abhandlung der Historie des Hauses oder der ästhetischen Schwerpunkte der einzelnen Etappen, sondern vielmehr ein Sammelband, der Zeitzeugen, Experten und Begleiter des Theaters zu Wort kommen lässt. Fotos und Zeichnungen aus den vier Jahrhunderten des Theaters, eine nahezu komplette Auflistung des Spielplans und persönliche Anekdoten der Beteiligten - von der Garderobenfrau zum Intendanten - rahmen die verschiedenen Beiträge. Als Stadttheater steht dabei stets die Verknüpfung von Stadt- und Theatergeschichte im Mittelpunkt.

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Klein und kraftvoll - 20 Jahre Theater der Stadt Aalen Drucken E-Mail
Das Stadttheater - Reif für Reformen
Geschrieben von: Moritz Grote   

Während Anfang bundesweit die Kulturetats gekürzt werden, gründet sich 1991 in einer Stadt in der schwäbischen Provinz ein neues Theater mit eigenem Ensemble. Von den stürmischen Anfängen bis zu den aktuellen Entwicklungen des Stadttheaters Aalen berichtet nun ein reich bebilderter Jubiläumsband. Das von Schauspieler und Autor Stefan Keim herausgegebene, knapp hundert Seiten starke Buch ist vor allem eines: Chronik des Aufstiegs eines Ausnahmetheaters.

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Stadttheater vs. Freies Theater - Ein Bericht über eine Diskussion Drucken E-Mail
Das freie Theater - Die Alternative
Geschrieben von: Annika Winkler   

Auf dem Podium: Matthias von Hartz, Bernd Stegemann, Mieke Matzke, Wolfgang Schneider, Henning Fülle

„Wir wollen nicht über Geld reden!" ruft Moderator Henning Fülle zu Beginn der Diskussion aus. Denn das scheint immer wieder der Punkt zu sein, auf den Diskussionen zu diesem Thema hinauslaufen. Worüber also soll dann geredet werden? Über Produktionsweisen? Über Ästhetiken? Über Programmatiken? Da man in dieser Runde im Burgtheater auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim nicht Äpfel mit Birnen vergleichen möchte, begeben sich die Experten auf die Suche nach den unterschiedlichen Qualitäten dieser beiden Pole der professionellen Theaterarbeit und versuchen eine Grundlage zu schaffen, auf der über Modelle der Umstrukturierung und Zusammenarbeit von Freier Szene und Stadttheater, besonders im Rahmen kulturpolitischer Entscheidungen weitergeredet werden kann.

Themenzentrierung vs. Theatralität

Gerade die unterschiedlichen inhaltlichen Spezifika dieser beiden Pole haben jeweils ihre Existenzberechtigung, da wird sich die Diskussionsrunde schnell einig. Man will weder auf die ursächlich sinnliche Faszination theatraler Darstellungsformen, noch auf die theatrale Behandlung lebenswirklicher Themen verzichten. Es geht also nicht um ein „entweder – oder". Im Zentrum professioneller Theaterarbeit muss vielmehr eine zeitgenössische Kunstproduktion stehen, welche die Zuschauer dort anspricht wo sie sind, in ihrer Stadt. Auch darüber sind sich alle einig. Was es also braucht sind neue strukturelle Formen, in denen diese neuen ästhetischen Inhalte entstehen können und wo das „Knirschen im Gebälk" am geringsten ist, wie Matthias von Hartz es formuliert. Strukturen, in denen die Freie Szene diese Kunstproduktion, welche sie seit Jahrzehnten betreibt, im größeren Rahmen, zu ihren eigenen Bedingungen, aber mit den finanziellen, strukturellen und ideellen Möglichkeiten des Stadttheaters umsetzen kann.

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