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Wo, bitte, sind hier die Kopftücher?

In Marburg wurde bei den 4. Hessischen Theatergesprächen über das Verhältnis von „Migration und Theater“ diskutiert. Manch einer aber wurde dabei vermisst.

Von Max Balzer

Marburg – Fremd ist der Fremde nur in der Fremde, soll Karl Valentin einmal gesagt haben. Aber wo das Theater ist, das weiß auch die Kellnerin am Marburger Rathausplatz nicht. Nun ja, die Sonne scheint. Buchläden, Fachwerkfassaden und Kopfsteinpflaster. Irgendwer wird den Weg schon weisen können.

„Das Landestheater?“ Der dritte Passant, distinguiert mit Stock und Hut, verweist aufs nahe Bürgerhaus. Da hänge ein Stadtplan.

Tatsächlich liegt das Hessische Landestheater weit draußen. Das Gebäude ist kein architektonischer Blickfang. Der Saal, in dem sich schon ein kleines Publikum versammelt hat, weckt Erinnerungen an Schulzeiten. An seiner Breitseite zwei zusammengerückte Tische – dort ist Prof. Dr. Wolfgang Schneider von der Universität Hildesheim eben dabei, die Diskutanten zum Thema „Migration und Theater“ vorzustellen: Matthias Faltz, Intendant des Hessischen Landestheater und Initiator der Hessischen Theatergespräche, außerdem Azar Mortazavi, Dramatikerin aus Berlin mit Migrationshintergrund, und Rusen Kartaroglu, Theaterpädagoge mit Schwerpunkt ‚Interkulturelle Arbeit’. „Auch er mit Migrationshintergrund“, sagt Schneider dazu, um nachzuhaken: „Sagen Sie, nervt Sie das nicht?“

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Alle Gespräche im Überblick

11. Mai 2011 Marburg - "Weltkulturerbe oder Insel der Verwöhnten - kann die deutsche Theaterlandschaft vom Ausland lernen?"

Matthias Faltz (Intendant Hess. Landestheater Marburg)
Rob Vriens (Regisseur Niederlande/Deutschland)
Alexander Leiffheidt (Chefdramaturg Hess. Landestheater Marburg)
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Universität Hildesheim)

Kein anderes Land der Welt hat eine so vielfältige und reichhaltig ausgestattete Theaterlandschaft wie Deutschland. Aber in keinem anderen Land der Welt befindet sich das Theater auch in solchem Maße in einer kulturpolitischen, strukturellen und finanziellen Dauerkrise wie bei uns. Luxusprobleme? Wohl kaum - man muss nur den Blick auf Wuppertal richten, um den neuesten Fall einer prominenten und leidenschaftlich umkämpften Theaterschließung vorzufinden. Auch in Hessen ist neuerdings wieder die Rede von Strukturveränderungen und Spartenschließungen. In dieser Ausgabe der Hessischen Theatergespräche wollen wir mit Theatermachern und Produzenten aus dem europäischen Ausland diskutieren, ob wir hierzulande in der Tat von den Organisationsformen der Theaterlandschaften unserer Nachbarländer etwas lernen können. Aber nicht nur um das liebe Geld soll es gehen, sondern auch um den Zusammenhang von Struktur und Ästhetik. Wie beeinflusst die Organisation des Theaterapparats das, was auf der Bühne geschieht? Besteht überhaupt Vergleichbarkeit zwischen den gewachsenen Strukturen im deutschsprachigen Raum und anderswo? Und wenn ja, wie kann man Unterschiede und Gemeinsamkeiten produktiv machen.

 

Vergangene Gespräche:

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