Reif für die Bühne - Schulreform in Hamburg

Müssen Kinder von der ersten Klasse an Theaterunterricht erhalten? Hamburg sagt Ja. Nur: Wer soll das neue Pflichtfach unterrichten?

Es ist ihre dritte Theaterstunde. Maike Schomaker und ihre Schüler stehen in der Mitte des Klassenzimmers im Kreis, die Tische sind zur Seite geschoben, an der Tafel steht »Theater«. »Unsere Bühne geht bis zu den Tischen«, erklärt die Lehrerin an der Elbinselschule im Hamburger Süden ihren Schülern. Sie will etwas mit ihnen ausprobieren, das sie am Vortag bei einer Lehrerfortbildung für Theater gelernt hat, eine Übung zum Thema Requisit als imaginäres Objektspiel. »Ich gebe jetzt etwas herum, und der Trick ist, dass es nicht da ist«, sagt sie und tut so, als habe sie ein niedliches Tierchen in der Hand. Vorsichtig gibt sie es dem Erstklässler zu ihrer Rechten. Der zögert erst, nimmt das unsichtbare Etwas dann in seine Hände, streichelt es und gibt es behutsam weiter. Die Übung gelingt, die Lehrerin ist zufrieden. Man merkt ihr an, dass sie Theater toll findet, und sie hält den Unterricht für sinnvoll: »Die Schüler lernen dabei zum Beispiel, verschiedene Gefühle auszudrücken und darauf zu reagieren.«

Darstellendes Spiel wird in Deutschland bereits an den meisten Schulen in irgendeiner Form angeboten, nicht nur in Hamburg. Doch die Hansestadt wagt nun einen Vorstoß: Als erstes Bundesland führt sie Theater als Pflichtfach an den Grundschulen und in der Unterstufe ein und riskiert damit eine bundesweite Debatte. Spätestens vom kommenden Schuljahr 2011/12 an muss Theater im Schnitt mindestens eine Stunde wöchentlich unterrichtet werden, ausgenommen sind die Berufsschulen. In der 7. Klasse können die Schüler das Fach dann weiter belegen oder stattdessen Musik oder Kunst wählen. Warum gerade Theater als zusätzliches Fach in die neuen Stundentafeln aufgenommen wurde, will die Hamburger Schulbehörde nicht begründen. Man habe es den beiden anderen künstlerischen Fächern gleichstellen wollen, heißt es nur.

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